8. August 2007

… die documenta?

Filed under: Annekdotes — Freerk @ 19:38

Im Nachhinein würde ich jetzt schon sagen, dass es sich gelohnt hat. Vor Ort weiß man das ja immer nicht so genau. Da sieht man ein paar schöne Arbeiten und eben auch viel Mist; überflüssige, völlig belanglose Sachen, obsoletes. Aber die vergisst man glücklicherweise wieder, und die guten Stücke behält man.

SNV32732

Gefallen haben mir zum Beispiel die mit Brecheisen und Zange beschriebenen Zäune von Dmitri Gutov im Aue-Pavillon. Erst wenn man direkt davor steht, erkennt man, dass es sich bei den filigranen Schriften und Zeichen um dickes, gebogenes Eisen handelt. Im Gegenlicht funktioniert das ganz wunderbar. (Künstler und Werk im Video)

Wirklich super war auch der „Phantom Truck“ von Manglano Ovalle Inigo in der documenta-Halle. In einem großen, fast völlig abgedunkelten Raum erahnt man irgendwann einen originalgroßen LKW-Anhänger; die Nachbildung eines mobilen Labors zur Herstellung biologischer Waffen. Vorlage waren Colin Powells „zuverlässige Informationen“ die ja auch die Rechtfertigung für die Irak-Invasion der USA lieferte.

Schon etwas älter aber trotzdem schön fand ich auch Simryn Gills „Remade internal systems from a model 1313 Tata truck“ – die nachgebaute Motor- und Getriebegruppe eines Transporters aus Termitenhügelerde, Flußlehm, Muschel- und Fruchtschalen (Banane, Mango, Mangostin), Blätter (Bodhi, Sea Almond, Durian), Kokosnussrinde und -faser, Areka-Nussschalen, Kapok, Lalang-Gras, Bananenbaumstamm, Bougainvillea, Gelatineklebstoff, Dammarharz und Milch. Quasi ein leckeres Müsli-Getriebe!

Natürlich war auch wieder einige „Hurz“-Kunst dabei, da steht das breite Publikum ganz ergriffen davor und deutet und gibt sich wirklich alle Mühe mit Bildsprache und Symbolik. So viel Muße hatte ich nicht immer. Wenn ich mir zum Beispiel die dritte großformatige Pimmelhuldigung von Juan Davila angucken muss, wird es schon schwer. (Wie schmal dessen Motivpalette ist, merkt man auch bei einem Blick in Google Bilder: Sobald es etwas detailreicher wird, wird da schön alles raus gefiltert. Selber schuld Juan! Nicht so viele Pimmel malen!

Und ebenfalls overfeatured fand ich Cosima von Bonin, das ist einfach nicht mein Fall. Aber was willste machen, ein paar Deutsche müssen eben auch immer dabei sein.

In Erinnerung bleiben wird mir auf jeden Fall das Mohnfeld von Sanja Ivekovic. Und zwar nicht nur, weil es wirklich sehr schön anzusehen war, sondern auch weil ich mir vier reife Schlafmohn-Kapseln mitgenommen habe. Für das Feld war extra eine Sondergenehmigungng von der ,Bundesopiumstelle’ in Bonn eingeholt worden. Wieder zuhause angekommen, stellte sich allerdings nach kurzer Recherche heraus, dass es sich beim documenta-Schlafmohn um eine morphinarme Sorte handelt.

Wahrscheinlich besser so. Man weiß ja, wie diese Künstler sind.

7 Kommentare »

  1. Ach und:
    Auch hinter dem Aue-Pavillon gings richtig rund:
    SNV32729

    Comment by Freerk — 8. August 2007 @ 19:48

  2. Ach du warst auch dort? Haste die Caro getroffen? :)

    Comment by Luca — 14. August 2007 @ 13:38

  3. Rechne mir dafür mal bitte die Wahrscheinlichkeit aus: 100 Tage und 700000 Besucher ;)

    Comment by Freerk — 14. August 2007 @ 13:45

  4. Naja, aber du bist 2 Meter 30 und sie 2 Meter 10. Das musst du schon in die Wahrscheinlichkeit des sich Sehens mit einrechnen…

    Comment by Luca — 14. August 2007 @ 22:01

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