21. Mai 2005

Jobmania, 2002

Filed under: Annekdotes — Freerk @ 09:41

Wo ja jetzt, nach dem bestandenen Diplom, zum 53sten mal der Ernst des Lebens beginnt, kommt mir Etwas in den Sinn:

Freerk, nach all den Jobs, die du in deinem Leben gemacht hast, gibt es da vielleicht einen roten Faden, der dich in seiner Fortführung genau zu deiner nächsten Arbeit führt?

Jeder denkende Mensch würde jetzt natürlich sagen: Nein. Vorher war ich Ungelernter und jetzt Gelernter und ein Diplom hab ich auch noch, alles ist anders, sogar das Zeichen, dass auf der Lohntüte steht.
Weil man sich ja aber nicht von vorschnellen Assoziationen beeinflussen lassen soll, beschließt das kognitive Wesen Freerk, die ganze Sache wissenschaftlich zu untersuchen.

These: Der nächste Job wird anders als alle bisher da gewesenen.
Antithese: Alle deine Jobs, inklusive nächster, haben in ihrer Art etwas gemein.
Versuchsaufbau: Überprüfung aller bisher getätigten Jobs auf gemeinsame Nenner und Versuch einer Hochrechnung.

Hm. Okay, die ersten Arbeiten, die ich für Geld gemacht habe, waren wohl Babysitten und Performancefilmen. Babygesittet habe ich immer nur ein Kind, den Sohn einer befreundeten Familie, und die Arbeitsabende hatten einen verhältnismäßig festen Aufbau: Erzählen, Kassette hören, nach erfolgtem Einschlafen den Stecker der Kassettenabspielgerätes ziehen (um ein eventuell weckendes am Bandende zu verhindern), Fernsehngucken, Fernsehngucken, selbst einschlafen. Mir hat das damals Spaß gemacht, besonders weil die Familie einen weißen Loewe-Fernseher hatte, der flach wie ein Brett war und beim Zappen zwischen den Programmen immer ein Schwarzbild eingefügt hat, damit das Auge keinen Moment lang Rauschen ertragen muss. Man stelle sich das einmal vor. Ein weißer Fernseher! Das ist ja so wie ein schwarzer Kühlschrank!

Das Performancefilmen hat mir auch Spaß gemacht. Zwar immer nur die ersten 2 Stunden, aber das Feedback hat regelmäßig die weiteren 3 Stunden aufgewogen. Zum Performancefilmen kommt man folgendermaßen: Man braucht eine Mutter, die bildende Künstlerin ist und eine der ersten käuflichen Videokameras besitzt. Mit ein Bisschen Glück, hat diese Mutter a) bildende Freundinnen (vorzugsweise Ausdruckstanz) und b) keine Lust selber zu filmen. Das ist alles. Schon ist man semiprofessioneller Performancefilmer. Wenn man sich dann auch noch in der Mitte der performancefreundlichen Achtziger befindet, ist man ein gemachter Junge. Die laufenden Kosten hielten sich damals in Grenzen, Aldi führte bereits erschwingliche 240min VHS Videobänder und die Kamera kostete in den meisten Fällen auch nichts.
Beim Performancefilmen habe ich richtig was gelernt. Zum Beispiel Bewegungen im Sucher ahnen und die richtige Kadrage finden. Außerdem sieht man überdurchschnittlich oft nackte Menschen die mit Sand oder Gewürzen werfen.
Ich glaube, das war auch der erste Job, bei dem man eine Beziehung zu heutigen Aktivitäten herstellen könnte. Nein, ich habe etwas vergessen: Ich habe eine Zeit lang für den Weser-Kurier geschrieben. Eigentlich war es nur die Kinderseite des dem Kurier beigelegten Fernsehheftes, aber immerhin. Dafür gab es schon Zeilenhonorar. Die gemalten Bilder waren aber immer von jemand anderem, ich war nur für den Text zuständig.

Mein erster richtiger Job, so mit Lohnsteuerkarte und allem, war wohl der in einer Art Fahrradreisebüro. Dort konnte man Reisen mit dem Rad buchen, und auch ich konnte erst nicht verstehen, warum jemand eine Reise mit dem Rad buchen sollte. Das musste ich dann auch nicht, weil ich nur im Versand tätig war, ich arbeitete im Keller unter den Telefonistinnen und verpackte Sachen wie “Radreisekarte Münsterland

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